Das Werk einer fast vergessenen Toggenburger Schriftstellerin
Frieda Hartmann-Scherrer (1893-1986) gehört zu den fast vergessenen Toggenburger Schriftstellerinnen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war sie aber eine erfolgreiche Autorin. Ihre Romane und Erzählungen berichten mit packend-realistischem Blick vom schwierigen Los der Kleinbauern, vom harten Schicksal unehelicher Kinder, von der gesellschaftlichen Ächtung und der Scham des gescheiterten Bauern – sie erzählt handlungsstark, zielstrebig und mit grosser Menschenkenntnis. Frieda Hartmann schrieb keine geschönte Heimatliteratur: Mit scharfem Blick schildert sie die soziale Lage und die Charakterschwächen ihrer Figuren. So werden ihre Bücher auch zu Zeitzeugnissen: In „Bauer ohne Land“ bricht eine Bauernfamilie nach einem Konkurs fast auseinander, in „Der Sohn des Grundbauern“ verfolgt man das dramatische Schicksal eines unehelichen Bauernbuben, „Lydia“ ist der grosse Frauenroman von Frieda Hartmann, worin sie in der Form des Entwicklungsromans den Kampf der jungen Bauerntochter Lydia um eine eigene Existenz schildert , im biografischen Bericht „Mein Bruder Rosemann“ schliesslich erzählt sie mit viel Humor von der Kindheit in der Grossfamilie.
Die Themen ihrer Romane kannte Frieda Hartmann aus dem eigenen Leben: Aufgewachsen war sie in einer wohlhabenden bäuerlichen Grossfamilie oberhalb Neu St. Johann. Nur kurz nach ihrer Heirat mit einem Bauern verlor die junge Familie in der Wirtschaftskrise der 20er Jahre durch Konkurs ihr Bauerngut. Mit Heimarbeit und Hilfsarbeiten kam die Familie danach knapp über die Runden. Unbemerkt von ihrer Familie schrieb Frieda Hartmann ihre Bücher immer nachts. Sie war so erfolgreich, dass sie mit den Honoraren ihrer Romane für ihre Familie ein Häuschen kaufen konnte.
Alle Bücher der Toggenburger Autorin waren seit längerem vergriffen. Der „Toggenburger Verlag“ macht in diesem Sammelband Frieda Hartmanns wichtigste Romane und Erzählungen wieder zugänglich.